Das es sich bei "Das Leben geht weiter" um den letzten großen Ufa Durchhaltefilm handelte, der mit großem Staraufgebot von November 1944 bis April 1945 gedreht werden sollte, ist zweitrangig.

Unser Interesse gilt der Entstehunggeschichte des Films. Der Versuch einen Film zu produzieren, für den die Mittel gar nicht mehr da sind, weder ideologisch noch materiell.

"Das Leben geht weiter" sollte dem deutschen Volk zum ersten Mal das Grauen des Krieges zeigen. Im Gegensatz zu früheren Propagandafilmen soll nun erstmals auch im Kino das zerstörte Berlin gezeigt werden, das aber nach dem gewonnenen Krieg von den Bewohnern wieder aufgebaut wird.
 

Berlin 1945
> Berlin 1945

     

Doch es fehlte an Baumaterialien, an Benzin, an Filmmaterial, ja sogar an genug Papier um für alle Mitarbeiter Drehbücher drucken zu lassen.

Da es zu gefährlich ist, im tatsächlich zerbombten Berlin zu drehen, werden die Kulissen von zerstörten Häusern in Babelsberg nachgebaut. Im Laufe der Dreharbeiten vermischen sich Fiktion und Realität mehr und mehr, die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit verschwimmt zusehends.

Der Film ist Nebensache, das Überleben steht im Vordergrund und je länger man an diesem Streifen dreht, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß der Krieg zu Ende geht bevor man an die Front geschickt wird.

 

Wolfgang Liebeneiner
> Wolfgang Liebeneiner – der Regisseurs des Film von 1944/45

     
Unsere "Dokumentation", beschäftigt sich also mehr mit dem "making of" des alten Ufa-Films, als mit dessen Verbleib. Das der Film am Ende nicht zustande kam und scheiterte, so wie das Dritte Reich scheiterte, ist nur die logische Konsequenz des Größenwahns dem er unterlag. Unser Film versteht sich als dokumentarischer Essay. Wir wollen nicht nur eine Reihe von Fakten und Tatsachen aufzählen, und dann ein paar Interviews und Archivmaterial dazwischenschneiden. Unser Film ist nicht nur ein Film über Lügen und Propaganda, sondern auch ein Film über das Filmemachen und als solcher müssen wir ihn auch zeigen.
Deshalb war uns klar, daß wir uns von Anfang an, an die Vorbilder englischer Dokumentarfilme anlehnen werden. Wir werden historische Rekonstruktionen einsetzten und wir werden einen Erzähler haben - eine Figur, die die roten Fäden in den Händen hält und uns durch die Geschichte führt, zurück ins Berlin des Jahres 1944.

Im Sommer 2000 beginnen wir mit den Recherchen zu unserem Film. Neben dem Buch von Hans Christoph Blumenberg, das wir als Grundlage nutzen, gehen wir nochmals im Bundesarchiv in Berlin allen Hinweisen nach und versuchen alle relevante Dokumente in die Hände zu bekommen. Darüberhinaus sind wir auf der Suche nach weiteren Zeitzeugen, die uns Auskunft geben könnten und gehen auch Hinweisen nach, daß vielleicht doch noch Ausschnitte des Ufa-Films in irgendeinem Archiv liegen. Wir suchen sowohl in den Beständen der ehemaligen DDR, als auch in Amerika in der Library of Congress in Washington.
 

Der alltägliche Wahnsinn
> Der alltägliche Wahnsinn

     

StoryboardsParallel zu unseren Recherchen, beginnen wir uns Gedanken über den visuellen Stil des Films zu machen und das Drehbuch zu entwicklen. Mark Cairns, der Regisseur, entwirft Zeichnungen und Storyboards.

Im März 2001 stößt Angelica Boehm als Set-Designerin dazu, womit unser Team auf 3 Personen angewachsen ist. Während die zweite und letzte Drehbuchfassung vorliegt, entwirft sie die einzelnen Sets und stellt ihr Designteam zusammen.

Das Projekt nimmt langsam Formen an, aber noch immer fehlt uns die Hauptfigur. Wer aber kommt als Erzähler in Frage? Ein Schauspieler, ein Moderator? Und in welcher Sprache wollen wir drehen? In Englisch, um für den internationalen Markt gerüstet zu sein oder in Deutsch, auch auf die Gefahr hin, daß wir den Film dann international nicht verkaufen können?

 

Setdesign
> Originalfoto von Goebbels Büro darunter der Designentwurf von Angelica Boehm

     
Nach langen Diskussionen entscheiden wir uns in Deutsch zu drehen, damit steht fest das der Erzähler deutsch sprechen muß und auch, daß wir in England keinen Co-Produktionpartner finden werden, weil im englischsprachigen Ausland nicht oder nur wenig synchronisiert wird. Wen aber sollen wir als Erzähler nehmen? Wir wollen neue Wege gehen, neue Gesichter zeigen. Wer hat die Präzens, das Charisma, die Stimme um die schwere Aufgabe zu bewältigen?    
     

Ein Abend vor dem Fernseher bringt die Lösung. In einem der dritten Programme läuft die Wiederholung der ARD Reihe "EX! Was die Nation erregte" und da ist er Dieter Moor unser Erzähler. Schon am nächsten Tag geht eine e-mail mit dem Treatment an ihn raus, die er noch am selben Tag beantwortet. "Tolles Projekt, ich bin dabei!"

Inzwischen liegt auch eine erste Kalkulation vor. So wie wir die Produktion gerne machen würden, würde sie zwischen 600.000 und 750.000 Euro kosten. Es ist uns klar das heutzutage kein Fernsehsender eine solche Summe in eine einzige Dokumentation stecken wird, sodaß wir gezwungen sind, uns nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten umzuschauen.

 

Dieter Moor
> Dieter Moor

   

Im Juni 2001 gründen der Produzent Carl Schmitt, der Make-Up und F/X Artist Birger Laube, und die Post-Produktionsfirma Magna Mana Production, die Firma StarCrest Media GmbH, mit Sitz in Frankfurt, um dem Projekt das professionelle Umfeld zu geben, das es benötigt. Schließlich findet sich auch eine Lösung um auch ohne Filmförderung die Produktion durchführen zu können die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam. Durch einen Aushang am Schwarzen Brett der Hochschule treffen wir auf die Produktionsstudentin Christin Meyer. Christin sucht noch ein Projekt für ihren Diplomfilm und mit "Das Leben geht weiter" hat sie es gefunden.

Christin schafft es nicht nur in wenigen Wochen ein Team von jungen Filmschaffenden zusammenzustellen, ihr gelingt es auch in kürzester Zeit die nötige Infrastruktur aufzubauen. Während Angelica und ihr Ausstattungsteam, immer mehr Requisiten zusammentragen, um unsere Bilder so realistisch wie möglich erscheinen zu lassen, wird auch Christin's Team immer größer. Regieassistent, Aufnahmeleiter und Produktionsassistenten kommen hinzu und außerdem eine Schar von Praktikanten und freiwillige Helfer, ohne die eine solche Produktion überhaupt nicht zu realisieren wäre.

Anfang August stößt Stefan Grandinetti als Kameramann zu unserem Projekt und beginnt sofort mit Kameratests.

StarCrest Media GmbH
> StarCrest Media GmbH

   
Nur noch wenige Fernsehdokumentationen werden heutzutage auf Film gedreht, deshalb kommt als Alternative eigentlich nur das Drehen auf Digi Beta oder DVC Pro in Frage. Der "Look" enspricht in beiden Fällen aber dem von Video und wird vom Regisseur abgelehnt. Wir wollen einen Film über das Filmemachen drehen, verwenden dafür viele der alten Filmtechniken und wollen deshalb auch ein Bild haben, das mehr nach Film als nach Video aussieht.

Was also tun? Unsere Recherchen auf diesem Gebiet führen uns dann zur Firma P+S Technik in München, die einen Adapter für Mini DV Kameras entwickelt hat, der in der Lage ist die 35mm Standard Objektive der ARRI Kameras aufzunehmen. Mini DV? Kann das Ernst gemeint sein? Wie waren skeptisch, wir haben getestet, wir wurden überzeugt. Der Look des Mini DV 35 Adapters in Verbindung mit der Kamera XL1s von Canon übertrifft alle Erwartungen und selbst eingefleischte Filmleute zeigen sich überrascht.

Drehplan
> MiniDV mit Adapter
>> Technische Infos

   
Mittlerweile wird der Drehbeginn auf den 17.09.2001 festgelegt. Geplant sind 19 Drehtage.
   

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